Gründung und Aufbruch (1910–1916)
Die Geschichte des KGV „Immergrün“ beginnt im Dezember 1910 – und zwar aus einem ebenso alltäglichen wie kuriosen Anlass: Unzufriedenheit über zu hohe Bierpreise in einer Gaststätte führte zur Gründung eines eigenen Gartenvereins. Im Februar 1912 wurde der Verein offiziell ins Vereinsregister eingetragen. Zu diesem Zeitpunkt bewirtschafteten 101 Mitglieder rund 80 Gärten.
Schon bald wuchs der Verein weiter und zog 1913 an seinen heutigen Standort um. Mit dem Bau der 1914 eingeweihten Kantine und dem im Folgejahr eröffneten Spielplatz für Kinder entwickelte sich früh ein reges Vereinsleben. Schon fünf Jahre nach der Gründung zählte die Anlage bereits 176 Gärten.
Erster Weltkrieg und Neubeginn (1917–1924)
Der Erste Weltkrieg brachte große Einschnitte: Das Vereinsleben kam nahezu vollständig zum Erliegen. Erst 1919 kehrte langsam wieder Leben in die Anlage zurück. Kinderspiele wurden erneut organisiert und Anfang der 1920er Jahre konnten weitere Flächen erschlossen werden. Ein besonderes soziales Projekt war die 1924 eingerichtete Milchkolonie, die Kinder täglich mit Frischmilch versorgte.
Ausbau, Verschuldung und Umbrüche (1925–1933)
1925 fiel ein folgenschwerer Beschluss: Das Vereinsheim sollte erweitert und grundlegend erneuert werden. Zur Finanzierung wurde 1926 eine Hypothek über 35.000 Reichsmark aufgenommen, später folgte ein weiterer Kredit. Die Bauarbeiten endeten 1929, doch die hohen Kosten führten zu einer langanhaltenden Verschuldung.
1931 erfolgte die Umbenennung in „Schreberverein Immergrün Leipzig-Sellerhausen“. Die politischen Entwicklungen der Zeit machten jedoch leider auch vor dem Verein nicht halt.
Gleichschaltung und Zweiter Weltkrieg (1933–1945)
Im Zuge der Gleichschaltung kam es 1933 zunächst zu Zusammenschlüssen mit benachbarten Vereinen. 1934 entstand daraus der „Vereinigte Kleingärtnerverein Ostaue“ e.V., dem die bisherigen Vereine als Abteilungen angehörten. Trotz dieser Umstände wurde 1935 das 25-jährige Jubiläum gefeiert.
Der Zweite Weltkrieg hinterließ schwere Schäden: 1944 wurde die Anlage beschossen, 1945 zerstörten Bomben zahlreiche Lauben und Vereinseinrichtungen.
Nachkriegszeit und DDR-Jahre (1946–1989)
Nach dem Krieg wurden die Vereine 1946 in das neue Kleingartensystem eingegliedert. Das Vereinsleben entwickelte sich langsam weiter und 1949 fand das erste Sommerfest statt. Die hohe Schuldenlast belastete den Verein jedoch weiterhin und das Vereinsheim verfiel zeitweise.
In den 1970er Jahren wurden erneut Flächen gepachtet und wichtige technische Verbesserungen wie Strom- und Wasserversorgung umgesetzt. 1976 entstand dann der Kleingartenpark Südost als Zusammenschluss mehrerer Vereine. 1983 wurde die Gaststätte im Vereinshaus wieder in Eigenbewirtschaftung eröffnet.
Neubeginn nach der Wende (ab 1990)
Mit der Wiedervereinigung Deutschlands begann auch für den KGV „Immergrün“ eine neue Phase. Der Verein arbeitete nun eigenverantwortlich und wurde am 3. September 1990 erneut ins Vereinsregister eingetragen. Die Gaststätte musste zwar zunächst schließen, konnte aber 1995 wieder geöffnet werden. Ein steigender Grundwasserspiegel in den 1990er Jahren führte zur Vernässung einzelner Parzellen, die anschließend zu wertvollen Feuchtbiotopen umgestaltet wurden.
Heute
1998 wurde der Kleingartenpark Südost neu konzipiert, um die Anlagen stärker für die Naherholung zu öffnen. Im selben Jahr erhielt der Park im Bundeswettbewerb „Gärten im Städtebau“ eine Goldmedaille.
Heute umfasst die Anlage 128 Parzellen sowie eine Vereinswiese mit Kinderspielplatz, Tischtennisplatte, Naschbeeten und ausgeschilderten Wanderwegen. Der KGV „Immergrün“ ist damit nicht nur ein Ort des Gärtnerns, sondern ein lebendiger Bestandteil des Leipziger Stadtgrüns und des gemeinschaftlichen Lebens.
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